Vorträge

Stadtentwicklung in China
Rahmenbedingungen und ausgewählte Projekte

Dipl.-Ing. Harald Güther

China erlebt gegenwärtig eine 'Gründerzeit'. Millionen Menschen streben in der Hoffnung auf ein besseres Leben vom Land in die boomenden Städte - vorrangig in die Metropolen der wirtschaftlich entwickelten Küstenregionen. In der Folge werden die Innenstädte durch Abriss und Neubau zunehmend verdichtet. Am Stadtrand entstehen neue Wohn-, Industrie- und Gewerbegebiete. Gleichzeitig steigen die Motorisierungszahlen, aber auch die Ansprüche an eine gesunde Umwelt. Der Vortrag thematisiert den schwierigen Spagat zwischen Wirtschaftsboom und nachhaltiger städtebaulicher Entwicklung und erläutert an ausgewählten Beispielen interessante Lösungsansätze, die oft auch im globalen Kontext bedeutsam sind.

Harald Güther ist wissenschaftlicher Referent am Institut für Städtebau Berlin der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL). Seit Mitte der 1990er Jahre unterhält er Fachkontakte nach China, verbunden mit Meetings und Fachexkursionen vor Ort. Lehraufträge an der Technischen Universität Berlin und Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Mitglied der Architektenkammer Berlin.

10. Januar 2011

Jüngste politische Debatten in China (中国现在所存在的政治思潮)
Vortrag und Diskussion in chinesischer Sprache

Zhang Yubao, Peking universität

Herr Zhang promoviert an der Fakultät für Internationale Beziehungen an der Peking Universität und weilt derzeit für einen sechsmonatigen Forschungsaufenthalt an der Freien Universität Berlin. Der Vortrag bildet den Auftakt zu einem neuen Programmformat in 2011, der "Expertenrunde". Hier stellen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die zu Gast an der Freien Universität Berlin sind, ihre chinabezogenen Forschungsarbeiten vor.

24. Januar 2011

Wassermanagement in China

Wolfram R. Bauer

Bereits im Jahr 2002 warnten chinesische Wasserexperten, dass das Land bei anhaltender Wasserverschwendung und Bodenerosion - den Hauptgründen für Wasserknappheit in China - im Jahr 2030 mit einer schweren Wasserkrise rechnen müsse. Dem versucht ein deutsch-chinesisches Gemeinschaftsprojekt entgegenzuwirken, in dem nach Wegen gesucht wird, unter extremen Bedingungen in ländlichen Regionen der Seidenstraße mit knappsten, salzbelasteten Wasserresscourcen, mit Sonne und Wind dezentrale Trinkwassersysteme zu entwickeln. Ein Projekt - nicht nur für Nordchina, sondern auch für andere innerkontinentale, ländliche Trockengebiete der Erde.

Wolfram R. Bauer, Theologe, Filmemacher, Mitbegründer und Direktor des gemeinnützigen Instituts "Civilisations Matter – International Society for Intercultural Dialogue e.V." in Berlin, berichtet über die Wassersituation in Ningxia und seine Erfahrungen in der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit.

7. Februar 2011

Chinas Rolle im globalen Finanzsystem

Ina Dettmann-Busch, M.A.

Trotz einer vergleichsweise geringeren Betroffenheit durch die Finanzkrise, bleibt die chinesische Regierung auch aktuell mit kritischen Nachfragen zu ihrer Währungspolitik konfrontiert. Die 'globalen Ungleichgewichte' zwischen China und den USA gelten weiterhin als eine Ursache der Krise und führen periodisch zu großem politischen Druck auf die chinesische Zentralbank. Gleichzeitig ist erkennbar, dass China es erfolgreich schafft, mit einer Schritt für Schritt-Strategie eigene Interessen bei wichtigen Fragen, wie z.B. der IMF-Reform und der Internationalisierung des Yuan durchzusetzen. Der Vortrag geht der Frage nach, inwieweit zu erwarten ist, dass China seinen gewachsenen internationalen Einfluss, z.B. als G 20-Mitglied, nutzen wird, sich über die Wahrung eigener Interessen hinaus für kooperative Lösungsansätze zum Erhalt der globalen Finanzmarktstabilität zu engagieren.

Ina Dettmann-Busch ist Projektleiterin bei InWEnt – internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH und betreut dort ein globales Dialog-Programm mit Brasilien, China, Indien, Mexiko und Südafrika zu Fragen der Finanzmarktstabilität.

11. April 2011

Mit Hacke und Pinsel
Li Shizhen und das "Bencao gangmu"

Dr. Ulrike Unschuld

Li Shizhen (1518-1593) war Arzt und richtete sein Interesse auf die chinesische Arzneikunde. Das von ihm und einem Team unbekannter Verfasser erstellte Bencao gangmu 本草纲目 (1596) ist der Höhepunkt der bencao-materia medica-Literatur, deren Anfänge in der späten Han-Zeit liegen. Mit ca 1.900 Beschreibungen von Arzneisubstanzen (pflanzlich, mineralisch, tierisch-human) ist es das umfangreichste Werk der vormodernen chinesischen Arzneikunde. Der Vortrag erläutert den Umfang und den Inhalt des Werkes.

Ulrike Unschuld ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Horst-Görtz-Stiftungsinstitut für Theorie, Geschichte und Ethik Chinesischer Lebenswissenschaften der Charité Berlin. Die Sinologin und approbierte Apothekerin hat mit einer Arbeit über die Yuan-zeitliche Pharmakologie promoviert. Sie hat Studienaufenthalte in Japan, China und den USA verbracht und hat zu Themen der traditionellen chinesischen Pharmazie veröffentlicht.

9. Mai 2011

Proteste, Streiks und Petitionen in China

Dr. Günter Schucher

Die Zahl der Proteste in China scheint von Jahr zu Jahr zuzunehmen. Während die Parteiführung in Beijing alle Kader drängt, auf die Wünsche der Menschen einzugehen und maximale Harmonie in der chinesischen Gesellschaft zu erzeugen, hoffen Kommentatoren im westlichen Ausland mit jeder neuen Aktion auf ein Abbröckeln der autoritären Macht. Der Vortrag will zeigen, welche Formen von Protesten es in China gibt, welche Ursachen sie haben und worauf sie zielen, um die Frage zu beantworten, ob es sich noch um "Widersprüche im Volk" handelt, wie die Parteiführung erklärt.

Günter Schucher ist Senior Research Fellow am GIGA Institut für Asien-Studien in Hamburg und Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Asienkunde. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören vor allem die sozialen Entwicklungen in China.

6. Juni 2011

Rechtsreform in China

Prof. Georg Gesk

Seit sich die VR China 1978 selbst das Ziel steckte, Recht und Gesetz aufzubauen, haben sich diverse Gesetzgebungsorgane bemüht, Normen für jede staatliche Handlung und für alle Lebens- und Wirtschaftslagen zu schaffen. Allerdings können wir seit spätestens den 1990er Jahren beobachten, wie die Ausweitung gesetzlicher Normen mit Reformen des bis dato Erreichten einhergehen. Der Vortrag geht diesem Phänomen nach und zeigt an ausgewählten Beispielen, wie diese Reformen auf der einen Seite die Beziehungen Staat-Wirtschaft, Staat-Gesellschaft etc. interaktiv beeinflussen und auf der anderen Seite neue Formen staatlichen und gesellschaftlichen Bewusstseins schaffen.

Georg Gesk ist Professor an der Fakultät für Rechtswissenschaften, Hsuan Chuang University, Hsinchu, Taiwan. Zu seinen speziellen Fachgebieten zählen Strafrecht, Rechtsphilosophie, und Recht in der VR China.

4. Juli 2011

Baukunst und Landschaft in China.
Zur Forschung von Ernst Boerschmann

Dr.-Ing. Eduard Kögel

Der Architekturhistoriker und erste Professor für chinesische Architektur in der westlichen Welt, Ernst Boerschmann, hat zwischen 1902 und 1949 mehrere hundert traditionelle chinesische Bauwerke teilweise in Plan und Bild dokumentiert. Er hatte die größte Fotosammlung zur Baugeschichte zusammengetragen und kümmerte sich als erster weltweit um eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Architektur in Verbindung zur religösen Kultur. Der Vortrag wird am Beispiel dieser Arbeiten chinesische Baugeschichte rekonstruieren und auf die Bedeutung von Boerschmanns Architekturgeschichtsauffassung für die Rezeption der chinesischen Architektur im Westen eingehen.

Eduard Kögel ist seit 2008 Lehrbeauftragter der China-Arbeitsstelle an der Technischen Universität Berlin und forscht aktuell in einem von der DFG geförderten Projekt zu Boerschmann. Kögel ist Vorstandsmitglied im Verein stadtkultur international e.V., Mitglied, Mitbegründer oder Mitherausgeber zahlreicher weiterer Gremien und Zeitschriften.

24. Oktober 2011

Chinas Wissenschaftspolitik auf dem Weg zum "Global Player"

Stephanie Christmann-Budian, M.A.

Seit Beginn der Reformära sind Wissenschaft und Technologie als Produktivkraft fester ideologischer und strategischer Bestandteil chinesischer Entwicklungsstrategien. Die Einflüsse von Globalisierung und Internationalisierung sucht China zunehmend mit eigenen Strategien und wachsenden Investitionen zum Aufbau einer Innovationsgesellschaft zu beantworten und will seit 2006 explizit selbst zu einer weltweit bedeutenden Wissenschaftsnation aufsteigen. Die daraus resultierenden Strategien und Transformationen des chinesischen Wissenschaftssystems sind beeindruckend und widersprüchlich zugleich. Der Vortrag setzt sich mit Genese, Intentionen, Errungenschaften und Herausforderungen aktueller chinesischer Wissenschaftspolitik auseinander.

Stephanie Christmann-Budian ist wissenschaftliche Referentin für die Deutsche Forschungsgemeinschaft in Peking und promoviert zum Thema chinesische Wissenschaftspolitik. Schwerpunkte ihrer beruflichen und wissenschaftlichen Beschäftigung sind die Analyse des chinesischen Wissenschaftssystems, die Geschichte seiner Strukturreformen sowie die praktischen Effekte ihrer Umsetzung.

7. November 2011

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