Vorträge

Die Reform der Hochschuleingangsprüfungen (Gaokao)
Chancen für sozialen Aufstieg?

Prof. Dr. Chen Hongjie, Peking-Universität

Die Reform der Hochschuleingangsprüfungen (Gaokao) ist gegenwärtig ein zentrales Thema der öffentlichen Diskussion in China. Eine grundlegende Reform ist zu erwarten. Der renommierte Erziehungswissenschaftler Professor Chen Hongjie von der Peking-Universität wird über den Stand und die strittigen Punkte der Diskussion referieren. Insbesondere wird er die Funktion der Gaokao als Chance des sozialen Aufstiegs anhand empirischer Studien analysieren.

9. Januar 2015

Chinas globale Kulturdiplomatie

Ass. Prof. Dr. Jens Damm, Chang Jung University

Kulturdiplomatie und die damit verwandte, aber nicht gleichzusetzende, öffentliche Diplomatie stand lange unter dem Eindruck des Kalten Krieges und der Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion. Heutzutage, in einer Welt, die zunehmend durch multilaterale Beziehungen geprägt ist, spielen andere Akteure, insbesondere auch die Europäische Union und China, eine immer größere Rolle. In China liegt die Betonung auf vielfältigen Initiativen, die zunehmend nicht nur von staatlicher Seite, sondern auch von nicht-staatlichen bzw. halb-staatlichen Akteuren getragen werden, und deren Ziel es ist, ein positives Bild Chinas weltweit darzustellen, um Chinas „soft power“ zu stärken.

In dem Vortrag wird Jens Damm ein von ihm geleitetes Forschungsprojekt vorstellen, welches am Institut für Ostasienwissenschaften der Akademie der Sozialwissenschaften in Prag angesiedelt ist. Dieses Projekt vergleicht Chinas Kulturdiplomatie in vier Regionen: der Europäischen Union, Südostasien, dem nahem Osten und Zentralasien. Kulturdiplomatie zeigt sich in einer flexiblen und innovativen Form.

19. Januar 2015

Exil in China
Wilhelm Manns Erinnerungen an seine Jahre in Guiyang und Shanghai (1938-1966)

Dr. Ulrike Unschuld

Wilhelm Mann (1916-2012) wurde 1936 die Fortführung seines Studiums an der Universität Heidelberg verwehrt. Nach der Reichspogromnacht blieb Shanghai als einziger Zufluchtsort. Wilhelm Mann kehrte 1966 zurück nach Deutschland in die DDR. Ungeachtet aller Widrigkeiten hat Wilhelm Mann sein Lebensziel als Chemiker in China und später in Ost-Berlin erreicht:

You banfa – es fand sich immer ein Weg!

Vortragsveranstaltung im Rahmen der Finissage für die Ausstellung Verfolgte China-Wissenschaftler 1933-1945: Die fehlende Generation.

28. Januar 2015

Chancen und Herausforderungen für kleine
und mittlere Unternehmen in China

Kirstin Wenk, Jochen Noth, Xin Zhang

Die Anzahl kleinerer und mittlerer Unternehmen (KMU) aus Deutschland, die in China Geschäfte machen, nimmt kontinuierlich zu. Während vor zehn Jahren die geografische Entfernung und kulturelle Fremdheit, die sprachlichen und rechtlichen Hürden noch scheinbar unüberwindliche Hindernisse für kleinere Firmen auf dem Weg nach China darstellten, verfügt heute kaum ein deutscher Betrieb nicht über China-Erfahrungen. Was sind die Gründe für diese Erfolgsgeschichte? Welche Faktoren und Strategien helfen KMU beim Markteintritt in China? Wo eröffnen sich neue Marktpotenziale und Jobchancen? Die Experten Kirstin Wenk, Jochen Noth und Xin Zhang stellen Beispiele dar und diskutieren die Perspektiven für china-orientierte KMU.

Kirstin WENK betreut als Stellvertretende Teamleiterin Außenwirtschaft, Europa-Service bei der ZAB ZukunftsAgentur Brandenburg GmbH Unternehmen aus Brandenburg und Berlin beim Markteintritt in Asien und Afrika, vor allem in China.

Jochen NOTH unterstützt als Geschäftsführer API Asien-Pazifik-Institut für Management GmbH, Berlin, Unternehmen und Einrichtungen aus Deutschland und China bei der gegenseitigen Partnersuche.

Xin ZHANG, Anwalt bei der Beiten Burkhardt Rechtsanwaltsgesellschaft, kennt sich in den Rechtssystemen beider Länder aus und weiß, wo hier die Fallstricke gerade für kleinere und mittlere Unternehmen liegen.

9. Februar 2015

Deutsch-chinesische Wörterbücher in China
ein historischer Überblick

Prof. Dr. Pan Lu, Peking-Universität

Im März 2013 erschien das DUDEN Deutsch-Chinesisches Universalwörterbuch in Peking – als das größte deutsch-chinesische Wörterbuch der Geschichte. Als Mit-Editorin hat die ausgewiesene Germanistin Pan Lu, Professorin an der Peking-Universität, mit ihren 20 Kolleginnen und Kollegen mehr als 10 Jahre lang an dem Projekt gearbeitet. Durch diese Arbeit entstand ein leidenschaftliches Interesse an den deutsch-chinesischen Wörterbüchern. Beim Sammeln solcher zweisprachigen Nachschlagewerke ist sie auf unerwartete, längst vergessene Schätze gestoßen. Pan Lu wird diese historischen Wörterbücher vorstellen und deren wissenschaftshistorischen Stellenwert zur Diskussion stellen.

16. Februar 2015

Das Huang Di Nei Jing Ling Shu
Säkulare Vernunft im Klassiker der Akupunktur
aus der chinesischen Antike

Prof. Dr. Paul Ulrich Unschuld, M. P.H. HGI,
Charité-Universitätsmedizin Berlin

Eine philologisch seriöse Übersetzung des Ling shu in eine europäische Sprache existierte bislang nicht. Die sorgfältige Analyse des Texts zeigt nun, dass er in seinen Kerninhalten zwar aus derselben Epoche stammt wie die beiden übrigen Ursprungstexte der antiken chinesischen Medizin, Su wen und Nan jing, aber doch einen weithin eigenen Charakter hat. Viele Textpassagen und Argumente erscheinen überaus zeitnah. Wie auch für das Su wen stellt sich für das Nan jing die Frage, ob es tatsächlich nur Kriege und zeitweilige Unruhen waren, die dazu führten, dass beide Texte bis in die spätere Song-Zeit entweder nur ein Schattendasein führten (Su wen) oder, wie das Ling shu gänzlich verloren gingen. Der Vortrag stellt die wesentlichen Inhalte dieses Texts vor und versucht Antworten auf die so fragile Überlieferungstradition des ersten Jahrtausends zu finden.

16. März 2015

Die Große Mauer in den Köpfen
China, der Westen und die Suche nach Verständigung

Prof. Dr. Gu Xuewu, Universität Bonn

Fremd stehen sich China und der Westen auch nach über 500 Jahren gemeinsamer Geschichte gegenüber. Dabei sitzen sie zwangsläufig in einem Boot: Kooperation und der Austausch von Erfahrungen und Erkenntnissen sind nötig, um mit den Folgen der Globalisierung umzugehen. Aber noch ist keine Seite bereit, von der anderen zu lernen. Die Große Mauer in den Köpfen zu überwinden, ist dabei weniger eine Frage des kulturellen Goodwill als der praktischen und politischen Vernunft, erklärt der Politikwissenschaftler Xuewu Gu.

Die Große Mauer in den Köpfen, 214 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, edition Körber-Stiftung Hamburg

20. April 2015

»In all dem Totgrau kommen zwei Kinder daher«
Reflexionen und Reminiszenzen zur »Obskuren Lyrik«
im China der 1980er Jahre

Prof. Dr. Richard Trappl, Universität Wien

Richard Trappl vergleicht und interpretiert Gedichte von Gu Cheng, Bei Dao, Shu Ting und Yang Lian und erinnert sich an die persönlichen Begegnungen mit diesen Exponenten der sogenannten „Obskuren Lyrik“ (Menglong shi). Die deutschen Übersetzungen der zitierten Gedichte stammen hauptsächlich von Wolfgang Kubin.

11. Mai 2015

Behutsame Stadterneuerung in China am Fallbeispiel Yangtze-Delta

Dr. Lin Cai, Tongji-Universität, Vizedirektorin des
Konfuzius-Instituts Hannover

Der Vortrag bietet einen Überblick über den Politikwandel und eine empirische Untersuchung der behutsamen Stadterneuerung in den letzten Jahren im Yangtze-Delta, um die Motive, Modelle und Folgen der Stadterneuerungspraxis zu erfassen. Im Vortrag versucht Dr. Lin Cai eine kritische Bilanzierung der chinesischen Praxis der Stadterneuerung, die nach zwei Dekaden der Kahlschlagsanierung punktuelle neue Praxisformen des behutsamen Umgangs einschließlich Bürgerbeteiligung zum Vorschein bringt.

Kooperationsveranstaltung mit dem Verein stadtkultur-international e.V. (ski).

18. Mai 2015

Konkubinen, Kungfu-Meister, Kader und der Krieg gegen Schwiegermütter
Was Chinesen im digitalen Zeitalter lesen

Zhu Yi, Mercator Institute for China Studies

Die Verleihung des Literaturnobelpreises im Jahr 2012 an den chinesischen Schriftsteller Mo Yan erregte weltweit großes Aufsehen. Es gibt aber noch ein anderes Literatur-Phänomen, was im Ausland kaum bekannt ist, sich aber in China als rasant wachsende Industrie etabliert: die »Netzliteratur«. Mit besonders hoher Verbreitung der Smartphones in China gehört sie inzwischen zum Alltagsleben der Chinesen. 2013 gab es über 420 Mio. Leser, die Romane aus dem Internet lasen. Der Jahresumsatz in diesem Bereich wird 2015 auf über sieben Milliarden RMB (etwa 900 Mio Euro) geschätzt. Wie funktioniert das Geschäftsmodell? Welche Themen sprechen die Leser an? Wer sind die Autoren? Mit diesen Fragen werden wir einen Einblick in diesen neuen Literaturzweig mit chinesischer Charakteristik gewinnen.

8. Juni 2015

Das Schicksal der Volksreligion in der VR China 1949 bis heute

Prof. Dr. Philip Clart, Universität Leipzig

Dorftempel, Ahnenschreine, Bergheiligtümer, Pilgerfahrten, Feste und schamanische Rituale – zahlreiche Orte und Praktiken der chinesischen Volksreligion wurden nach der Revolution von 1949 von der neuen Regierung misstrauisch beäugt, unter den Generalverdacht des "feudalistischen Aberglaubens" gestellt und vor allem während der sogenannten Kulturrevolution zerstört und verboten. Erst die Reform-und Öffnungspolitik seit 1978 führte zu einer Liberalisierung in diesem Bereich. Der Vortrag beschreibt Bedingungen und Umfang der Verfolgung und Wiederbelebung volksreligiöser Praktiken in der VR China von 1949 bis heute.

9. November 2015

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